Januar 2018 in D, AT, CH, F

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In der langen Reihe der milden Januarmonate seit 1988 nimmt 2018, vor allem im Süden, Südwesten der Bundesrepublik sowie generell in der Nord-Schweiz und im nördlichen Frankreich eine herausragende Position ein. Deshalb folgt die Luftdruckverteilung dieses denkwürdigen Monats nach dem Bulletin Climatique Mensuel von Météo France (Titelbild).

Fast überall in den genannten Gebieten handelt es sich beim 2018er um den wärmsten Januar, selbst in ganz langen Reihen. Als Beispiel habe ich die Säkularreihen von Genève und Basel herausgegriffen:

Entgegen den Gepflogenheiten von Meteo Schweiz, die die Reihen alle paar Jahre neu homogenisiert, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, was, wann, wo geändert wurde, habe ich die in den Annalen der Schweizerischen Met.Zentralanstalt gegebenen Werte verwendet.
Bei Genève handelt es sich bis 1953 um die Tabellen des Observatoire (und dessen Vorläufer), anschließend um den Flughafen Cointrin.
In beiden Reihen stellt 2018 den absoluten Wärmerekord: Genève mit 6,0°C, Basel-Binningen mit 6,3°C. Aber auch Zürich-Fluntern (4,8°), Sion (3,9°) und Bern (4,2°) haben das geschafft, jeweils ab 1864.
In Deutschland reicht das Gebiet mit den absolut höchsten Januarmitteltemperaturen vom Oberrheingraben, dem südlichen Baden-Württemberg bis ins südwestliche Bayern. Folgende Messstellen liegen darin:

2018

ab

Rheinstetten/Karlsruhe

6,7°C

1876

Stuttgart/Flughafen

5,0

1878

Stuttgart-Schnarrenberg

5,7

1792

Genève

6,0

1753

Basel

6,3

1755

Sion

3,9

1864

Bern

4,2

1864

Zürich/Fluntern

4,8

1864

Meistens blieb 2007 Sieger im Gesamtklassement (München/Stadt z.B. 4,8°C heuer gegen 5,1° 2007) oder bei obiger Liste, in der 1796 in Stuttgart/Schnarrenberg nur 0,1 K niedriger liegt; natürlich ist das ein statistischer Wert, denn kein Mensch kann sicher wissen, ob nicht doch 1796 ein kleines bisschen milder war, da ja die Stationslage eine andere war als 2017!
Außerhalb des angesprochenen Gebiets fehlte auch oft nicht viel bis zum Rekord, etwa hat Geisenheim heuer 6,1° (gegen 6,5° 2007).
Die Zahl der Frosttage war rekordverdächtig klein:

2 Tage in Basel
4 Tage in Wien/H.Warte (ab 1872)
5 Tage in München/Stadt und in Zürich/Fluntern; in München sind die 3 von 1796 immer noch das Maß der Dinge, dann kommt 2018 und danach 1834 mit 6 Tagen (Daten ab 1781).

Die Abweichungen des Januar in Frankreich vom Mittel 1981 bis 2010 zeigt folgende Karte:

Für Paris-Le Bourget mit seiner langen Temperaturreihe ab 1667 (beginnend im Observatoire de Paris) liegen drei Januarmonate nun nahezu gleichauf bei der Mitteltemperatur:
1796 7,8°C
2007 7,9
2018 7,9°C
Dazu brachte der Januar dort keinen Nachtfrost, was aber schon öfter vorkam.
In Cannes erreichte die Maximaltemperatur am 4.1. 22,9°C, was Januarrekord war.

Gleichzeitig gab es reichliche Niederschläge, die gleichfalls bis nahe an das absolute Januarmaximum reichten:

  • München/Stadt mit 105 mm hatte nur in 5 Jahren seit 1848 (171-jährige Reihe) noch mehr Januarniederschlag (1899 106, 1982 118, 1968 119, 2004 125 und 1900 sogar 159 mm)
  • Freudenstadt totalisierte 406 mm, der absolute Rekord liegt bei 438 mm im Jahr 1862, die Reihe setzt 1825 ein.
  • Klippeneck hatte 2018 138 mm, 2004 schaffte es auf 142 mm (ab 1927).
  • Kempten brachte 190 mm zusammen; 1986 waren es 200 mm (ab 1879).
  • Garmisch-Partenkirchen holte sogar den Rekord mit 220 mm (alt: 196, im Lawinenjanuar 1951); die Reihe existiert seit 1886.
  • Gleiches gilt für Nauders/Tirol (ab 1896) mit 163 mm.
  • Kremsmünster mit seiner fast 200-jährigen Beobachtungsreihe maß 128 mm und erreichte damit den zweiten Treppchenplatz seit 1820, was wiederum eine entsprechende Grafik nach sich zieht:

Nur 1982 hatte etwas mehr: 132 mm.

  • Die Schweizer Station Grand Saint Bernard (gerade erst 200-jährig geworden) hatte 839 mm Schnee-Niederschlag, was aber im Hochgebirge nicht unbedingt etwas bedeuten mag, da hier Messungenauigkeiten (Wind und Schneewehen) eine große Rolle spielen. Jedenfalls wurde hier noch in keinem Monat seit 1901 so viel gemessen.
  • In Frankreich fielen zahlreiche Monatsniederschlagsrekorde, z.B.
    Châteauroux 167 mm
    Vaurenard 222
    Saulieu 269
    Pontarlier 298
    Maurillac 305
    Bourg-St-Maurice 357
  • Passend dazu die Niederschlagskarte des Monats in Frankreich:

Das Bild der übervollen Seine an der Pont de l’Alma in Paris illustriert die zahlreichen Überschwemmungen, die aus dem großen Niederschlagsangebot resultierten:

Die vielen Niederschläge führten im Gegenzug zu einem großen Sonnenmangel, so dass auch hier in Frankreich Minimalsummen gemessen wurden:

Rouen 18 Std.
Blois 25
Gourdon 25
St-Quentin 25
Châteaudun 32

Aber auch beim Kahlen Asten fehlte bei 7 Std. nur eine zur Egalisierung des absoluten Minimums (1952).

Die Orkantiefs brachten enorme Böen mit sich:

Vor allem an den Küsten Korsikas wurden nie dagewesene Windspitzen registriert:

Cap Sagro 181 km/h
Cap Corse 225 km/h
Am letzt genannten Ort wird seit 1882 beobachtet und es handelt sich hier um die größte je gemessene Bö.

Damit soll die Rückschau auf einen wahrhaft besonderen „Wintermonat“ abgeschlossen werden.

Wolfgang Webersinke, Manuskriptabschluss 15.2.2018 (nach Berichten von DWD, ZAMG, MeteoSchweiz, Météo France und eigenen Unterlagen)

 

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