Das Wetter in Daxstein im Mai 2019

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Es geht also doch noch: der Mai 2019 war deutlich untertemperiert, sonnenscheinarm und teilweise zu nass.

Im Bayerischen Wald lagen die Mitteltemperaturen 2,5 bis nahe 3 K unter dem Mittel von 1981 bis 2010 und damit war es (wie auch in Südbayern) der kälteste Mai seit 1991. In den Tallagen wurden bis über 11°C erreicht (Metten 11,6, Lalling 11,2), in den Hochlagen ging es unter 8°: Haidmühle 7,5 und Gr. Arber 4,2°C. Generell war der heurige Mai 6 K kälter als der des Vorjahres! Die Regel, dass die Extreme gern
in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auftreten, war mal wieder nicht von der Hand zu weisen; ein solcher Sprung war seit 1891 (Reihe Daxstein) noch nie vorgekommen. Allein Metten schaffte am 19.5. einen Sommertag (25,4°C), sonst nirgendwo einer. Dafür hier und da Frosttage (Haidmühle bis zu 12, Gr. Arber 11, davon 3 Eistage, Waldhäuser 5, dort 1979 sogar 8, Zwiesel 8 Tage). Hanglagen wie Lalling oder Daxstein schrammten am Frost vorbei, so dass es zu keinen Vegetationsschäden kam (die vielen umgestürzten Bäume durch den Schneebruch im Januar reichen da – immer noch kann man nicht überall im Wald durch!). Die Sonne blieb Mangelware und schien nur 113 (Gr. Arber, Haidmühle 120 Std.) bis 161 Stunden (Fürstenzell). 2010 war viel sonnenscheinärmer: Haidmühle 78 Std. beispielsweise. Beim Niederschlag blieb die
Spanne relativ gering, wirklich zu trocken war es nirgends (Miltach 76, Regen 83, Bogen 87 mm), Werte über 150 mm auch nichts Sensationelles: Unterfrohnstetten 156, Wegscheid 169 und Duschlberg 178 mm. Maximaler Tagesniederschlag 42,0 mm am 21.5. in St. Englmar. In Daxstein ereignete sich am 4. mittags ein gut 20-minütiges Hagelgewitter mit Schlossen von 1,5 cm Durchmesser, die man in Häufchen noch am Abend finden konnte (und am Morgen darauf fielen ein paar Schneeflocken als letzter Wintergruß). Gewitter gab es nur wenige, auch das das glatte Gegenteil zum Vorjahr, wo es an 17 Tagen blitzte und donnerte.

Im Großraum München auch gut 2,5 K unternormale Maitemperaturen (München/Theresienstr. 11,9°C, Stadt 11,5 und Holzkirchen 9,5°C). Sommertage ebenfalls Fehlanzeige, das gab es zuletzt 1991, vorher allerdings viel häufiger. Zumeist trat ein Frosttag auf (der 7., in Weihenstephan – 1,6°C). Die Sonne erfüllte ihr Soll ebenfalls nicht, aber nicht so defizitär wie im Bayerwald: Weihenstephan immerhin 176 Stunden. Interessanter aber der Niederschlag! Der 20. Mai brachte gerade an meiner Schule im Harthof ein besonderes Spektakel: nach einigem Regen am Morgen entlud sich um 8.20 Uhr ein solcher Donnerschlag, dass einem Hören und Sehen verging; ich hatte wenigstens den Blitz noch gesehen, meine 7ac, die mit mir Französisch hatte, nicht und erschrak daher gewaltig. Zugleich ging ein Wolkenbruch von besonderer Stärke hernieder, der in einen anhaltenden Dauerregen mündete. Am nächsten Morgen konnte ich 102,1 mm Regen messen. Mengen über 100 mm sind in München eine Seltenheit. Deshalb eine kleine Übersicht über die wenigen Tage seit 1842, die so etwas zustande brachten:

13.9.1899
Stadt/Gabelsbergerstr.
111,5
Sternwarte
125,3

29.05.1940
30.05.1940
Unterföhring
52,8
151,8
Ebersberg
56,2
158,3
Schleißheim
47,7
109,0
Oberföhring
88,1
86,3
Forstinning
42,3
156,7
Fürstenried
120,0
138,3
Berg
am Laim
108,0
156,0
Riem
75,5
128,5
Deisenhofen
83,4
130,4
Krailling
130,3
152,7
Pasing
100,6
147,8
Nymphenburg
82,1
155,2
Stadt/St.
Bonifaz
90,0
149,6
Sternwarte
89,8
151,2

07.08.1978
Stadt/Bavariaring
101,6
Unterföhring
100,6
17.06.1979
Nymphenburg
101,7
Sauerlach
100,2

Nur 1940 konnte sogar zum Teil zwei Tage Ende Mai mit Mengen über 100 mm vorweisen, aber nur im Süden/Südosten der Stadt. Nach 1940 ist das nun der zweite Mai, in dem über 100 mm Regen in 24 Stunden niedergingen.

Auf dem Hohenpeißenberg mit seiner langen RR-Reihe ab 1781 fielen am 20.5.2019 104,3 mm – nur wenige Maitage brachten da mehr oder ähnlich viel:

Hohenpeißenberg
8.6.1859
96,4
29.05.1940
97,7
17.06.1979
116,8
21.05.1999
138,5

Weitere große Tagesmengen folgen in dieser Tabelle:

Ort
20.05.2019
höherer
Maiwert
Jachenau-Tannern
135,4
mm
165,7
30.05.1940
Buchenberg
131,3
Oberstdorf-Rohrmoos
114,6
Balderschwang
112,4
Mummelsee
109,2
Ebersberg
108,3
158,3
30.05.1940
Bad
Bayersoien
106,5
155,3
21.05.1999
Oberreute
105,6
141,6
21.05.1999
Weiler-Simmerberg
105,6
Sigmarszell-Zeisertsweiler
103,8
Kochel-Einsiedl
102,5
München-Harthof
102,1
Geretsried
101,4
Lindenberg/Allgäu
99,6
Aschau-Stein
98,6
107,2
21.05.1999
Frauenneuharting
98,0
Egling/Isar
98,0
Spitzingsee
96,4
Oberstaufen-Thalkirchdorf
96,3
136,3
21.05.1999
Bad
Lippspringe
79,8

Für Bad Lippspringe ist es der höchste Maiwert innert 24 Stunden seit mindestens 1931.

Die feuchteren Gebiete nach den Monatssummen in und um München:

Maisummen
2019 des RR
Geretsried
272
mm
Otterfing
263
Holzkirchen
262
Osterseeon
248
Egling
242
Assling
240
Ebersberg
237
Attenkam
230
Oberpframmern
226
Obersöchering
223
Starnberg
219
Frauenneuharting
219
München-Harthof
213
Wasserburg
206
Eberfing
206
Aying
204
Schäftlarn
204
Laufzorn
203

Es gab aber auch trockene Regionen in Norddeutschland, so etwa fielen in Lingen nur 15 mm, der absolute Trockenrekord datiert auf 1880 und 1989 mit jeweils nur 9 mm Monatsniederschlag.

Im Pariser Raum regnete es am 10.5.2019 sehr viel, so dass am Flughafen in Orly mit 56,4 mm die höchste Mai-Tagesmenge seit Stationseröffnung 1921 gemessen wurde (bisher 42,4 mm am 30.5.2016); auch hier ein paar Werte dazu:

Toussus-le-Noble
49,4
mm
Champigny-sur-Marne
51,7
Bonneuil-sur-Marne
63,5

Abschließend die Niederschlagskarte von météociel dazu:

Sehr bemerkenswert gestaltete sich die Schneelage in den Alpen, und da vor allem in den mittleren und hohen Lagen: die meisten Niederschläge fielen dort auch im Mai als Schnee und verstärkten die ohnehin schon hohen Schneedecken des Winters.

Auf der Zugspitze maß man (wenigstens das wird dem streng durchgehaltenen automatischen Regime zuwiderlaufend von Menschen auf dem Zugspitzplatt abgelesen!) am 30.5.2019 645 cm. Nur 1965 lag hier noch mehr Schnee: am 12.5.1965 740, am 1. und 12.6. 1965 noch einmal 670 cm!

Am 6.5. morgens lagen in den Bayerischen Alpen folgende Schneedecken:

Zugspitze (2250 m) 408, Osterfelder 238, Nebelhorn 205, Reiteralpe 190, Brauneck 177, Kampenwand 110, Fellhorn 91, Tegelberg 73, Krün 16, Mittenwald 15 cm.

Zur Illustration eine Schneeinformation aus den bayerischen Alpen:

Eine eindrucksvolle Schneeverlaufsgrafik vom Säntis:

Der Schneedeckenverlauf am Pitztaler Gletscher in Tirol:

Pitztaler Gletscher

Und von Hochfilzen:

Hochfilzen

Man sieht, wie heuer z.T. langjährige Extremwerte übertroffen wurden. Bern hatte am 6.5. 4 cm aufzuweisen, so viel wie noch nie im Mai seit 1897.

Wolfgang Webersinke, Juni 2019

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