Das Wetter in Daxstein im Juni 2019

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Das Wetter in Daxstein im Juni 2019

Der zu kühle Mai war eine Eintagsfliege: der
nachfolgende Juni schlug im Osten und Südosten Deutschlands sowie in Österreich
alle Rekorde: Hitze, Trockenheit und Sonne satt.

 

Im Bayerwald wurde es überall der wärmste
erste Sommermonat seit Messbeginn; 2003 wurde mit bis über 1K Abstand
entthront:

 

Fürstenzell 21,1°C 2003: 20,5

Gr. Arber 15,5 14,3

Waldhäuser 18,6 17,1

Entschenreuth 20,6 19,7

Daxstein 19,6 18,1

Grainet 20,6 19,8

Metten 20,8 19,9

Haidmühle 17,2

Lalling 21,7

 

Aber schon 100 km westwärts war dies nicht mehr
der Fall und 2003 blieb Sieger (z.B. Landshut-Reithof 2019 20,8, 2003 21,7°C
oder Mühldorf 2019 20,2 und 2003 20,7°C).

Die Daxsteiner Reihe zeigt nachdrücklich, wie
2019 hier „über die Stränge schlug“ (1930, 2003 und 2015 als frühere
Spitzenreiter):

 

Bis auf Straubing blieben die alten
24-stündigen Temperaturmaxima unangetastet (dort 35,0°C am 30.6.2019 gegen
34,5° am 30.6.1950; Reihe seit 1879). Das Temperaturmittel in Straubing war
2019 mit 20,9° geringfügig höher als 2003 (20,6°). Lalling hatte 26 Sommer- und
9 heiße Tage (33,8° am 30.).

Die Sonnenscheindauer blieb unter den
Höchstwerten älterer Reihen (etwa 310 Stunden für Haidmühle 2000 – Reihe ab
1920 oder Regensburg 314 Stunden im Jahr 1950 – Reihe ab 1936). Allein
Fürstenzell/Passau übertraf mit 338 Stunden den alten Höchstwert von 2000 (323
Std.; Werte ab 1950). Lalling erreichte heuer 323 Stunden.

Beim Niederschlag zeigte sich ein
Flickenteppichmuster wegen der sehr unregelmäßig stark auftretenden
Gewitterregen. Philippsreut übertraf als einzige Station die 100-mm-Marke
(118,6 mm, am 15.6. 52,7 mm), Bischofsreut maß 99,3, Daxstein hatte 96,6 und
Wegscheid 94,2 mm, am 22.6. 55,0 mm). Trockeninseln waren der westliche und
nördliche Bayerische Wald: Stallwang 15,0, Steinach 18,1, St. Englmar 20,2,
Pemfling-Pinzling 22,3, Wiesenfelden 23,7, Prackenbach 28,4 mm; aber auch im
östlichen Bereich eng begrenzt: Hobelsberg 20 und Grainet 23,3 mm.

Der nächst-trockene Juni war 1950, als es
noch deutlich dürrer war:

 

Wegscheid 19,7 mm

Oberfrohnstetten 20

Klingenbrunn 24

Schönberg 30

Sonnen 31

Duschlberg 31

Finsterau 32

Röhrnbach 34 mm

 

Im Raum München war, wie oben schon
angedeutet, 2019 nicht so heiß wie 2003 (München/Stadt 2003 22,1° gegen 2019
mit „nur“ 20,9°; Flughafen 19,6° gegen 21,5°C). Dafür wurde der bisherige
Junihöchstwert der Temperatur für München egalisiert: 35,2°C am 30.6.2019
und am 18.6.2013.

Beim Sonnenschein blieb 1917 ungeschlagen
(337 Stunden): heuer 332 Stunden am Flughafen, 319 in der Stadt, 322 in
Attenkam.

In der Niederschlagsübersicht zeigt sich
ein ähnlich unaufgeräumtes Bild wie im Bayerwald:

Hier gab es mehrere Stationen mit über 100 mm:

Weihenstephan 122,3 (am
22.6. 41,1 mm)

Kirchtrudering 120,2 (am
22.6. 51,5 mm)

Neufinsing 108,8

Unterföhring 108,1(
am 20.6. 43,3 mm)

 

An ziemlich vielen Stationen im Süden und Westen
der Landeshauptstadt fielen weniger als 50 mm (z.B. Puch 40, Starnberg 42,
Eberfing 45 oder Osterseeon 48 mm). Schlagzeilenträchtig war das Hagelunwetter
am Abend des 10. Juni
(Pfingstmontag), das wie meist im Allgäu entstand und
dann über den Ammersee Richtung München zog und dort den Norden und Westen
heimsuchte. Hauptschadensgebiet waren Germering und Puchheim (Hagelbrocken mit
bis zu 6 cm Durchmesser), der meiste Niederschlag fiel allerdings im Norden
Münchens:

Oberschleißheim 37,8
mm

Unterschleißheim 36,0
mm (davon in einer Std. 18-19h 33,6 mm)

 

In Giesing, wo kein Hagel fiel, kamen lediglich
4,2 mm herunter. Am Flughafen erreichten die Sturmböen 119 km/h, am Wetteramt
83 km/h, in Giesing und Grünwald 80 km/h.

Am Harthof hagelte es auch ordentlich. In Markt
Schwaben, wo ich auch angefangen habe, Niederschlag zu messen (h=515 m) fielen
im Juni nur 58 mm.

Die Wetterkamera des Meteorologischen Instituts
in München/Theresienstraße machte um 17.38 Uhr das folgende Bild (nach Nordwesten
zum Olympiagelände/nach Moosach gerichtet):

 

Machen wir gleich mit großen Regenmengen in
Deutschland
weiter:

Am 11.6. ergossen sich wahre Sintfluten über
Teile Brandenburgs/Berlins:

Jüterbog 95,9 mm

Potsdam-Sacrow 91,6

Langerwisch 91,3

Potsdam-Nord 85,5

Staaken 80,4

Potsdam/Obs. 79,7

Am Observatorium wurde der erst zwei Jahre alte
Maximalwert für Juni (73,5 mm am 29.6.2017) also schon wieder gestürzt.
Jüterbog verbesserte den alten Juniwert vom 13.6.1946 (74,8 mm) ebenfalls
deutlich.

Am 22.6. erwischte es dann einzelne Gegenden in
Bayern und Baden-Württemberg:

Mertingen 84,6 mm

Kusterdingen 81,5

Regensburg 74,8

Straubing 73,3

Bönnigheim 72,3

 

Sowohl in Regensburg (alter Juni-Höchstwert:
52,9 mm am 27.6.1897) wie auch in Straubing (alte Bestmarke: 71,0 am 17.6.1979)
ergaben sich neue Monatsrekorde (beide Reihen ab 1879).

Im Nordosten Bayerns hingegen fiel so wenig
Regen wie noch nie seit 1880: 15,3 mm in Hof.

16 mm als Minimalwert im Jahr 1887 wurde
unterboten. Hier die Reihe dieser Station:

 

 

Von der Mitteltemperatur her bot der Juni
Außergewöhnliches, nur im Süden und Südwesten bzw. Westen (gelegentlich auch im
Norden) war er nicht der wärmste (1858, 1889, 1917 oder 2003 waren da die
Konkurrenten).

Daher nun eine sicher nicht exhaustive Liste:

 

Ort

Tm Juni 2019

Reihe ab

Ergänzung

Angermünde

21,5°C

1901

Berlin-Dahlem

21,9

1701

1756: 22,2°C

Brocken

14,4

1901

Chemnitz

20,9

1863

Cottbus

23,1

1889

DD-Klotzsche

22,1

1901

Erfurt

20,4

1851

Essen

20,0

1881

1889: 20,3

Fichtelberg

15,7

1891

Ffm-Westend

21,7

1835

1858: 22,2

Görlitz

21,6

1851

Greifswald

19,6

1879

Hof

19,8

1880

Innsbruck/Uni

22,7

1891

Kiel

17,9

1851

mit 1939

Klagenfurt

22,3

1813

Kleve

19,0

1851

1858: 19,9

Kremsmünster

21,9

1767

Leipzig-Schkeuditz

21,8

1901

Lindenberg/Obs.

22,5

1901

Magdeburg

21,8

1851

Metten

20,8

1879

Nürnberg/Flh.

21,0

1879

mit 2003

Fürstenzell/Passau

21,1

1879

Potsdam

22,5

1893

Regensburg

21,1

1773

2003: 21,2

Warnemünde

19,3

1901

Salzburg/Flh.

21,7

1842

2003: 21,6

Schneifelforsthaus

16,7

1889

Straubing

20,9

1879

Wien/Hohe Warte

23,8

1775

1811: 23,2

Zugspitze

5,5

1901

mit 2003

 

Von Wien-Hohe Warte und Kremsmünster folgen die
entsprechenden Diagramme:

 

 

An vielen Stationen wurden die bisherigen
absoluten Temperaturmaxima im Juni, teilweise deutlich, überboten:

Ort

Tmax

alt

Angermünde

37,3°C

35,5°C

Arkona

33,5

30,6

Bad Kissingen

35,3

35,1

Bamberg

35,8

35,2

Berlin-Dahlem

37,6

36,1

Braunschweig

35,8

34,3

Bremen

35,4

34,9

Brocken

26,7

25,3

Chemnitz

36,1

34,0

Cottbus

38,1

36,6

DD-Klotzsche

37,3

35,3

Erfurt

35,9

34,5

Essen

34,5

33,1

Feldberg/Schwarzw.

27,0

25,7

Fichtelberg

29,5

27,1

Frankfurt a.M.

39,3

38,2

Gardelegen

38,8

35,5

Garmisch-Partenkirchen

34,8

33,9

Geisenheim

38,7

37,3

Görlitz

35,7

35,2

Greifswald

36,6

35,6

Halle

39,2

Hamburg-Fuhlsb.

34,8

34,6

Hannover

35,7

34,7

Hof

34,5

Innsbruck/Uni

38,5

35,9

Kahler Asten

30,1

29,6

Klippeneck

32,9

30,5

Leipzig

38,3

36,4

Lindenberg/Obs.

36,9

35,6

Lingen

36,7

34,9

Lübeck

34,8

34,4

Magdeburg

37,5

35,3

Mannheim

38,9

35,5

Marnitz

37,1

35,8

München/Stadt

35,2

35,2

Norderney

33,5

32,2

Nürnberg

36,2

34,7

Potsdam

38,4

36,6

Regensburg

36,5

35,7

Warnemünde

35,9

35,0

Schmücke

30,3

27,9

Schwerin

35,1

34,4

Straubing

35,0

34,5

Stuttgart-Echterdingen

35,4

35,0

Ulm

33,7

33,5

Wasserkuppe

30,4

29,8

Zugspitze

16,2

16,0

Hermagor

38,0

Krems

38,5

Innsbruck

38,5

Graz/Uni

37,2

 

Sonnenscheinrekorde gab
es auch zu Hauf, hier eine kleine Übersicht:

 

Ort

Sonnenstunden

ab

Hannover

304

1936

Potsdam

353

1893

Berlin-Dahlem

356

1889

Angermünde

342

1901

Bad Salzuflen

299

1934

Essen

318

1906

Wahn/Flh.

310

1890

Kahler Asten

293

1934

Magdeburg

333

1914

Leipzig

331

1919

Chemnitz

321

1943

Lindenberg

369

1906

Fichtelberg

296

1921

DD-Klotzsche

358

1905

Görlitz

375

1946

Geisenheim

319

1890

Ffm

322

1908

Buchen

300

1934

Nürnberg

329

1879

Passau/Fürstenzell

338

1950

Hohenpeißenberg

313

1937

Garmisch-Partenkirchen

268

1919

Zugspitze

312

1901

Innsbruck/Uni

296

1901

Klagenfurt

341

1891

Sonnblick

270

1887

Villacher Alpe

312

1884

Wien/Hohe Warte

356

1881

Kremsmünster

324

1881

Säntis

267

1888

 

Besonders in den Alpen gab es unglaublich viel
Sonne, und das in einem Sommermonat, wo sonst viele Quellwolken das Bild
bestimmen. Heuer war durch die hohe Schneedecke überall die Konvektion stark
unterdrückt, so dass kaum Gewitter auftraten. Die alte Junihöchstmarke auf der
Zugspitze stammt aus dem Juni 1935 (277 Stunden); zum ersten Mal hat ein Monat
auf der Zugspitze mehr als 300 Sonnenstunden gebracht.

Die Sonnenübersicht von Wien beschließt diesen
Teil des Rückblicks (nur 1917 kommt in die Nähe von 2019):

 

Zum Schluss bringe ich noch die fast
unglaublichen Höchstwerte aus dem Süden Frankreichs, wo reihenweise die
40-Grad-Marke übersprungen wurde und vor allem am 28.6. sogar Jahresrekorde
förmlich gesprengt wurden, z. B. wurde der alte Junirekord in Montpellier um
beinahe 6 K übertroffen!

Ort

Temp.max.

Anmerkung

Gallargues-le-Montueux

45,9°C

16.20 h

Villevielle

45,4

Marsillargues

45,1

Saint Charmes

44,6

Varages

44,5

Nîmes-Courbessac

44,4

41,6° am 4.8.2017 und
9.8.1923

Prades-le-Lez

44,4

Payrolles

44,4

Istres

44,3

Vinon-sur-Verdon

44,3

Carpentras

44,3

Nîmes-Garons

44,1

Montpellier

43,5

Salon-de-Provence

43,4

Arles

42,8

Avignon

42,8

Perpignan-Rivesaltes

42,4

Saint-Auban

42,2

Aix-en-Provence

42,0

Aubenas

41,4

Aigues-Mortes

40,9

Clermont-Ferrand

40,9

26.6.

alter Rekord

40,7

31.07.1983

La Rochelle

40,5

27.6.

Sète

40,3

Mont-Aigoual

29,9

alt: 29,4, 9.8.1923

 

Zuerst kommt noch ein Foto von der Rekordstation
Gallargues-le-Montueux:

 

 

Die abschließende Karte zeigt ungefähr, welcher
Bereich besonders betroffen war:

 

https://pbs.twimg.com/media/D-Ko4FnXYAIJ8tn?format=jpg&name=large

 

Wolfgang Webersinke, Juli 2019

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