Witterungsbericht Februar 2019 für D, A und CH

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Witterungsbericht Februar 2019 für D, A und CH

Der letzte Wintermonat verlief, wie oft im größeren Witterungs-Zusammenhang, teilweise gegensätzlich zu seinem Vorgänger 2018: mild, sonnig und zumeist trocken.

Im Bayerischen Wald und an der Donau war es in den Tallagen ein bis eineinhalb K zu mild; Mitteltemperaturen aus diesem Bereich:

Kirchberg        0,0°C

Zwiesel             0,1

Entschenreuth  0,5

Metten            0,9°C

In den Hang- und Hochlagen wirkten sich die vielen Hochdrucklagen temperatursteigernd aus, so dass auf dem Gr. Arber schließlich der Monat 3,8 K zu mild ausfiel; nun diese Mitteltemperaturen:

Lalling                          1,3°C

Waldhäuser (940 m)      1,4

Daxstein                       1,7

Kringell                        1,8

Kinzesberg                   2,3

Gr. Arber                    – 0,6°C

Die Ausnahmestation Haidmühle/Klärwerk hatte – 2,3°C und war somit am kältesten (dort – 22,4°C am 5.2.).

Die Sonne übererfüllte ihr Soll, aber nicht rekordmäßig, meist gab es zwischen 140 und 160 Stunden:

Fürstenzell     124 Std.

Waldhäuser    140

Lalling            143

Grainet           145

Entschenreuth 146

Gr. Arber        149

Haidmühle     151

Zwiesel         156

In Rekordjahren waren es:

Passau       151 Std.           (1975)

Haidmühle   192                 (1959)

Metten        144                 (1975) (leider Messungen am 1.8.2018 eingestellt)

Regensburg 151                 (2003)

Beim Niederschlag stellten sich größere Defizite ein, normal war er nirgends. Minimal wurden 28 mm gemessen (40 %, Büchlberg-Tannöd), maximal  89 mm (72 % in Duschlberg), im Schnitt meist zwischen 35 und 45 mm. Der Große Arber ist nun dauerhaft, wie fast alle Mittelgebirgsgipfel in Deutschland, ohne Niederschlagsmessung – eine Schande. Trotzdem blieb die Schneedecke bis in die Tallagen fast überall den ganzen Monat über bestehen, Ausnahme war nur Röhrnbach, wo ab dem 27. nur mehr Flecken lagen. Allein Passau-Maierhof, direkt an der Donau, zählte nur 11 Schneedeckentage. Maximale Höhen von über 1 m kamen vor in:

Philippsreut 111 cm (4.2.)

Bischofsreut 122        (5.2.)

Duschlberg 155       (4.,5.2.)

Im Großraum München verstärkte sich der Großstadteinfluss enorm wegen der Hochdrucklagen. Die Mitteltemperaturen reichten von 1.1°C im Gut Laufzorn bis zu 4,5°C an der zentrumnahen Theresienstraße (Helene-Weber-Allee 4,0°C). Hauptsächlich weil die Minima außerhalb meist sehr viel tiefer als in Stadt lagen. Im Vergleich von Laufzorn (mittl. Tmin – 4,0°; völlig frei auf einer Waldlichtung gelegen) und München/Stadt (mittl. Tmin – 0,5°C) zeigt sich das nachdrücklich:

Nur am 4.2. war kurz die Stadt um 0,6 K kälter, als nach reichlichem Schneefall die Wolkendecke abends dort schneller aufriss als weiter südlich. Die höchste Spreizung hatte der 6.2. nach klarer Nacht (Laufzorn – 14,4° gegen – 6,6° in der Stadt; sogar die sonst wärmere Theresienstr. maß – 7,2°).

Diesen Winter waren fast alle Schneefälle südlich von München wesentlich ergiebiger als im Norden, so dass auch die tägliche Schneehöhe große Unterschiede aufwies. Ich habe Oberschleißheim (484 m, nördlich der Stadt) und Laufzorn (604 m) ausgewählt:

Während Oberschleißheim nur auf 9 Schneedeckentage kommt, hatte Laufzorn 26; die größte Höhe erreichte im Norden 19, im Süden aber 48 cm. Holzkirchen hatte als Spitzenwert sogar 75 cm zu bieten, Egling/Isar 70 cm.

Die Niederschlagsbilanz insgesamt war wesentlich ausgeglichener, sogar mit leichten Überschüssen: Geretsried 72 mm (109 %) und Oberpframmern 75 mm (127 %), aber auch Holzkirchen 75 und Otterfing 79 mm. Minimal hatte Erdweg 25 mm, Utting am Ammersee 32 mm. 

Die Sonne lachte ausgiebig, kam aber nicht an die Maximalwerte heran: 

Attenkam 174 Std.

Theresienstr. 170

Stadt/WA 163

Flughafen 150

Weihenstephan 149

2008 erzielte die Stadtstation 184 Stunden, 1998 waren es 168, 2019 steht also hier an dritter Stelle seit Beobachtungsbeginn 1901.

Weiter nach Südwesten wurden dann aber allerdings höhere Sonnenstundensummen als jemals im Februar erzielt: auf dem Flughafen Stuttgart in Echterdingen kamen so 174,3 Stunden zusammen, das ist beinahe eine Stunde mehr als 2008 (173,5), zwar knapp, aber immerhin:

Auch aus der Schweiz und Frankreich werden Rekordwerte gemeldet.

In Frankreich waren es z.B.:

Orléans        162 Std.

Caen           166

Strasbourg  168

Toulouse     189

In der außergewöhnlich hochdruckbestimmten zweiten Monatshälfte wurde dann auch gegen Ende historische Wärmerekorde gebrochen:

Cazaux                           26,2°C

Ségonzac/Poitou-Charente 26,1

Carcassonne                    25,2

Montauban                      25,0

Nîmes-Courbessac         24,6

Cognac                         24,4

Châteauroux                 24,0

Poitiers                        23,4

Pleyber-Christ/Bretagne 22,7

Dijon                            21,1

Paris-Orly                     20,8

Der landesweite französische Februar-Rekord vom 29.2.1960 wurde jedoch nicht gebrochen (in Saint-Girons mit 31,2°C!).

Auch Deutschland hat viele Wärmerekorde aufgestellt, ich liste nur die wichtigsten auf. An vielen Stationen mit nicht so langen Reihen gab es zahlreiche neue Höchstwerte für Februar, vor allem in Mittelgebirgslagen:

Februarhöchstwerte
in °C am 27. (26.2.) 2019
Ort
Wert
Beob.beginn
Essen
19,5°C
1903
Feldberg/Schwarzw.
16,7
1921
Frankfurt/Main-Westend
19,3
1851
Gardelegen
18,2
1871
ex
aequo mit dem
29.02.1912
Geisenheim
19,8
1884
Gießen
19,1
1881
Lingen
20,4
1881
Norderney
15,3
1897
Plauen
17,8
1871
Regensburg
18,6
1879
Schleswig
15,5
1887
Trier-Zewen
21,4
1907
Wasserkuppe
16,6
1923

Im Raum Halle-Leipzig war es – auf Deutschland bezogen – am trockensten, mit gerade einmal 3 mm Niederschlag. In der Reihe von Halle (ab 1851) gibt es kaum trockenere Februarmonate:

2mm kam allein 1857 vor, im Jahr darauf 3 mm, diese Doppelreihung war auch 2018 und 2019 (jeweils 3 mm). Es ist bezeichnend, wie wenig Niederschlag in Halle fällt, der feuchteste Februar kommt gerade auf 92 mm im Jahr 1946.

Im Rückblick auf das Jahr 1869 begegnet uns ebenfalls ein sehr milder Februar: die Bogenhauser Sternwarte bei München errechnete eine Mitteltemperatur von 5,2°C und nur 14 Frosttage bei einer Niederschlagsmenge von 17 mm; an drei Tagen fiel Schnee oder Schneeregen. 8 Tage hatten heiteren Charakter. Die Wetterkarte vom 1.2.1869 vermittelt gut den Eindruck einer milden Südwestströmung mit einem Hoch über Italien:

Am Abend des 9.2. gab es von 20 bis 21 Uhr in München einen Gewittersturm in einer straffen Westströmung.

An der k. k. Centralanstalt an der Wiener Favoritenstraße kam die Mitteltemperatur auf 5,6°C bei 5 Frosttagen. Gegen Mitternacht vom 14. auf den 15.2. herrschte mit 108 km/h die höchste Windstärke des Monats. Am Genfer Observatorium ergaben sich 5,9°C und 6 Frosttage, am 12.2. stieg die Temperatur bis auf 18°C. In Paris wurde nur ein einziger Frosttag registriert.

Vor 90 Jahren 1929 herrschte die komplett gegenteilige Witterung: Am Rande eines blockierenden skandinavischen Hochs floss extrem kalte sibirische Luft westwärts und bescherte uns eine beispiellose Kälte. In München lag der Schnee am 11. und 12.2. 34 cm hoch. Nachdem schon vorher in 4 Nächten die -20-Grad-Marke unterschritten wurde (damalige Hauptmessstelle war der Botanische Garten in Nymphenburg), war ab dem 10.2. kaum mehr eine Wolke am Himmel. Am 11. morgens maß man – 26°, ebenso am Termin III um 21.14 Uhr. Bis zum 12. ging das Thermometer dann bis auf – 31,6°C herunter, der tiefste je in München gemessene Wert. Das Versuchsfeld an der Max-Joseph-Brücke kam auf – 29, das Oberwiesenfeld auf – 31,1°, die Zentralstation an der Gabelsbergerstraße auf – 23,1°C. Im Botanischen Garten belief sich die Mitteltemperatur der 5 Tage vom 11. – 15.2.1929 auf – 20,9°C (der 11. mit – 23,7 und der 12. mit – 23,6°C als kälteste).

Weitere Minima des 12.2.1929:

Finsing b. Markt Schwaben – 32,2°C

Hof                                    – 32,3 (11.)

St. Ottilien                          – 33,3

Pfaffenhofen                       – 34,9

Hüll b. Wolnzach               – 37,8 (bundesweit tiefste je gemessene Temp. Im Flachland)

Auf dem Hohenpeißenberg wurden am 11.2.1929 – 29,1°C erreicht, so tief ist dort die Temperatur nie vorher und nachher gesunken (ab 1781).

Die Wetterkarte des 11.2.1929 der Seewarte schließt meinen Artikel ab:

Wolfgang Webersinke, Manuskriptabschluss: 09.03.2019

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